Wie unser Christiania einmal gestohlen wurde

Quelle: http://www.fahrradfamilie.de/wie-unser-christiania-einmal-gestohlen-wurde/

Unser Christiania war lange unser Hauptverkehrsmittel. Inzwischen sind die Kinder größer und fahren auch selbst. Gerade mit kleinem Kind im Tuch fühlt man sich aber auf dem Christiania am wohlsten.

Wir wohnen in Berlin-Kreuzberg. Berlin hat eine der höchsten Fahrraddiebstahlraten deutschlandweit, Kreuzberg eher noch höher. Es ist für viele ein großes Argument, sich kein Lastenrad zu kaufen. Selbst aus Innenhöfen wird dreist gestohlen.

Unser Christiania steht immer draußen. Wir haben zwar einen Innenhof, aber der ist nur über mehrere Stufen zu erreichen. Machbar, selbst mit dem Christiania, aber man macht es nicht gerne, wenn man nur eben einkaufen oder zum Spielplatz fahren will.

Was nun gerne passiert: man lädt aus, stellt die Kinder auf den Gehweg und eins fängt an wegzurennen. Man läuft hinterher, fängt das Kind ein, sammelt noch schnell die Sachen aus dem Christiania und geht vollbepackt rein. Ohne abzuschließen.

So stand unser teures Fahrrad einmal zwei Tage lang komplett unabgeschlossen vor unserer Tür. Ohne gestohlen zu werden. Es gibt einfach mehr ehrliche Menschen als unehrliche.

Einmal habe ich aber geschafft, das Christiania "pseudo-anzuschließen": Das Schloss war zwar dran, war aber so merkwürdig verdreht, dass man das Christiania einfach wegschieben konnte. Was prompt jemand tat – am nächsten Morgen war es weg.

Ein herber Schlag! Wir mussten erstmal unsere täglichen Wege neu organisieren. Zum Glück konnten wir aus der größeren Familie erstmal ein anderes Lastenrad ausleihen.

Wir schickten sofort Suchmeldungen per Facebook und Mailingliste herum. Keine Rückmeldung.

Am folgenden Sonntag machte ich mich auf den üblichen Flohmärkten für gestohlene Fahrräder (Schlesische Brücke, Boxhagener Platz) auf die Suche. Nichts.

Wir malten einen schönen Aushang und hingen ihn an alle Spielplätze und Schwimmbäder in der Umgebung. Unser Christiania ist zum Glück gut erkennbar. Trotzdem keine Antworten.

Einen Monat später gingen wir eines Samstags zum Fahrradladen, um uns schweren Herzens ein neues Christiania zu bestellen. Ewig konnten wir nicht mit dem kleinen, geliehenen Lastenrad herumfahren.

Die Bestellung war vorbereitet, wir wollten aber noch einmal drüber schlafen. Und am folgenden Tag ruft eine Freundin an: "Wir stehen hier fünf Minuten von Euch und – hier ist Euer Fahrrad!"

Da stand es tatsächlich, im gleichen Stadtteil, unabgeschlossen vor einem Handyladen. Der Besitzer erzählte, dass er drei Kinder damit spielen gesehen hatte. Als er sie darauf ansprach, waren sie weggelaufen.

Wahrscheinlich wurde unser Fahrrad einen Monat lang von unterschiedlichen Leuten durch den Kiez gefahren, bis es wieder zu uns kam. Glück gehabt!

Unser Lehren aus dem Schreck:

  • das Schloss sollte das Fahrrad tatsächlich befestigen
  • die Hausrat-Versicherung zahlt nur, wenn das Fahrrad im Hof steht
  • ein markantes Fahrrad mit eigenen Verschönerungen ist (vermutlich) weniger attraktiv für Hehler

PS: Zuletzt wurden uns in einer Nacht alle drei Regen-Abdeckungen (Kiste, Präriedach, Regenschutz) in einer Nacht gestohlen. Seitdem nutzen wir nur noch diese Motorradabdeckplane, die man anschließen kann.